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EM-ReisefuehrerFrankreich

FRANKREICH | EURO 2016 11 land und anderswo, haben sie auch gesehen, wie viele Freunde sie sogar bei denen haben, die sich oft einen Spaß daraus machen, auf ihnen herumzuhacken. Die gemeinsam mit den Engländern gesungene Mar- seillaiseinWembleyimNovemberwareinberührenderMoment,spontane europäische „Trotz-allem-Solidarität“. Die deutschen Fußball-Touristen werden auf jeden Fall herzlich will- kommen sein. Keine Angst vor großen Worten: die deutsch-französische Freundschaft, das ist keine politische Augenwischerei, sondern eine real existierende Errungenschaft, die tief in beide Gesellschaften hineinreicht. So viele Bürger haben in unzähligen Städtepartnerschaften, Austausch-­ Begegnungen und Urlaubsreisen eine persönliche Beziehung mit dem Nachbarlandaufgebaut,sichkennen-undschätzengelernt.EinGeschenk der Geschichte. Umso mehr muss die Frage erlaubt sein: Wie kommt es bloß, dass wir Deutschen die Alltags-Kultur der Franzosen – ihr berühmtes „Savoir- vivre!“ – insgeheim bewundern, Frankreich als einzigartiges Kultur- und ReiselandschätzenundgleichzeitigsowenigInteressefürdiefranzösische Populärkultur aufbringen? Gut, man nimmt den einen oder anderen Film zur Kenntnis, haupt- sächlichKomödien.Abersonst?WerkenntinDeutschlandaußerhalbdes sehr überschaubaren Kreises der ARTE-Zuschauer schon die vielfältige aktuelle Chanson-, Pop-, Rock- und Rapszene, wer versteht die französi- sche Liebe zur „bande dessinée“ (wofür die Deutschen immer noch kein eigenes Wort haben und aufs unzutreffende „Comics“ zurückgreifen müssen), wer bringt noch Interesse auf für französische Gegenwartslite- ratur? Eben. Am seltsamsten ist, dass sogar der Fußball, die populärste aller ­Kulturen, die ohne weiteres grenzüberschreitend zu verstehen wäre, da keine Ausnahme macht. Vereint in der Gleichgültigkeit WirdmansichersteinmalseinereigenenUnkenntnisdesfranzösischen Fußballs bewusst, verweist man auf deutscher Seite dann meist auf das vermeintlich schwache Niveau der französischen Liga. Es ist zwar richtig, dass die Ligue 1 in den letzten Jahren an Boden verloren hat, aber dieses Argumentwurdeschonverwendet,alsdiefranzösischeMeisterschaftEnde der 80er und Anfang der 90er Jahre scharenweise deutsche Stars wie KarlheinzFörster,KlausAllofs,RudiVölleroderJürgenKlinsmannanlockte und als Frankreich Mitte der 90er mehrere Jahre lang auf Platz 2 der UEFA-Rangliste stand.

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